Challenging misinformation and bias on Middle East issues in the UK Press

FAZ

FAZ dehumanizes starving children

Sehr geehrtes FAZ-Redaktionsteam,

ich schreibe, um meine Bedenken hinsichtlich des Artikels mit dem Titel “Irreführende Fotos: Dieses Bild aus Gaza spricht nicht für sich” zum Ausdruck zu bringen (veröffentlicht am 30. Juli 2025 im Druck und am 29.07.2025 online). Der Artikel zeigt eine erhebliche Voreingenommenheit in seiner Darstellung und Berichterstattung, die die Schwere der humanitären Krise in Gaza untergräbt und den Verdacht entstehen lässt, dass er die Leser*innenschaft über das Leid der Bevölkerung in Gaza täuschen möchte.

Im begleitenden Twitter-Beitrag (@faznet) fassen Sie den Artikel wie folgt kurz zusammen: „Medien berichten von der Hungersnot in Gaza. Ein paar Bilder sind besonders bedrückend. Dabei zeigen diese Kinder, die an schweren Krankheiten leiden. Die Information fällt aber unter den Tisch.“ Diese Darstellung offenbart die Absicht des Artikels, den Diskurs über die Hungersnot in Gaza zu verschieben und nicht, wie die erste Hälfte des Artikels suggeriert, ein spezifisches, konkretes Beispiel der Falschinformation aus einer italienischen Zeitung zu erläutern.

Der Artikel berichtet zunächst über einen konkreten legitimen Kritikpunkt an dem spezifischen Fall. Daraufhin geht er auf ein weiteres Bild eines anderen Kindes ein, das im Zusammenhang mit der Hungersnot in Gaza in den Medien kursiert, kritisiert, das Kind habe Vorerkrankungen, und suggeriert dabei allgemein, dass Bilder von hungernden Kindern manipulativ fabriziert und die Hungersnot in Gaza nicht real seien. Das Argument für diese „Fälschung” ist, dass das Kind auf dem Bild bereits zuvor gesundheitliche Probleme gehabt habe.

Hungernde Kinder hungern, unabhängig davon, ob sie an Vorerkrankungen leiden oder nicht. Die Behauptung, dass Bilder von Hunger weniger legitim oder irgendwie irreführend sind, wenn die Kinder, die darauf hungernd zu sehen sind, bereits gesundheitliche Vorerkrankungen haben, stellt eine gefährliche Desinformation und Hassrede dar, da sie impliziert, dass solches Leiden weniger gültig oder akzeptable ist, dass es „in Ordnung ist zu sterben”, wenn jemand gesundheitliche Probleme hat, und dass dies nicht als „echter” Hunger und als Indiz für Massenverhungern angesehen werden kann.

Es ist jedoch entscheidend zu erkennen, dass Menschen, die unter Hunger leiden, unabhängig von ihrem allgemeinen Gesundheitszustand Opfer einer humanitären Krise sind. Diese Erzählung Ihres Artikels stellt nicht nur die Situation falsch dar, sondern perpetuiert auch schädliche Stereotypen und Hassrede, indem sie suggeriert, dass diejenigen mit Gesundheitsproblemen weniger Mitgefühl verdienten.

Diese Berichterstattung steht im Widerspruch zu grundlegenden journalistischen Prinzipien, einschließlich Wahrhaftigkeit und Sorgfalt. Gemäß dem deutschen Grundgesetz, insbesondere Artikel 5, der die Meinungsfreiheit und die Pressefreiheit garantiert, sowie dem Pressekodex, der ausgewogene und vielfältige Berichterstattung vorschreibt, fordere ich die FAZ auf, sich an diese Prinzipien zu halten. Es ist für Medienunternehmen von wesentlicher Bedeutung, Verantwortung in ihrer Berichterstattung zu übernehmen.

Es drängt sich mir die Frage auf, was das Ziel dieser Berichterstattung der FAZ ist. Wird hier beabsichtigt, das Mitleid der Leser*innenschaft mit der palästinensischen Zivilbevölkerung angesichts jahrelangem Leids, Bombardierung und Aushungerung zu untergraben? Warum so ein geschmackloser Artikel, der hungernden Menschen ihr Leid abzusprechen versucht?

Ich fordere die FAZ dazu auf, konkrete Schritte zu unternehmen, um die irreführenden Formulierungen in diesem Artikel und der Twitternachricht zu korrigieren, um die Verbreitung von Desinformation zu verhindern. Auch eine Klarstellung, das die FAZ nicht wertend zwischen dem Leid kranker und gesunder hungernder Kinder unterscheidet, sehe ich für notwenig an.

Ich freue mich auf Ihre Antwort und auf ein Bekenntnis zu fairerer Berichterstattung.

Mit freundlichen Grüßen,